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hamlet_X — Ein Film-Theaterprojekt

Regie Herbert Fritsch
DVD-Produktion Rainer von Rottenburg
Schnitt Wibke Grundler
Kamera Detlev Schneider

Theater DVD 75min | Storyboard | 2003 | Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

 

 

hamlet_X

Ein Film-Theaterprojekt nach William Shakespeare
in der Übersetzung von Schlegel/Tieck



Eine Zusammenarbeit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin und Koppfilm.
Gefördert durch den Hauptstadt Kulturfonds 2000.

Ein großes elektronisches Mosaik, ein Labyrinth aus Szenen, Gesprächsreflexen,
Interviews, Portraits von Menschen, die sich im Umkreis Hamlets befinden
und ein Teil seiner Geschichte werden wollen. Es werden die Requisiten
gesammelt und Animationen entwickelt.

Hamlet wird in unterschiedlichsten Formen in unsere Zeit geholt und
zu einer Geschichte unserer Zeit gemacht.
Hamlet als Modenschau, Hamlet als Werbefilm, als Schnulze oder als Krimi
oder einfach als ein zu verkaufendes Produkt. Der Hamlet von Shakespeare,
eine wilde Fantasie, die sich in verschiedenen nördlichen Kulturkreisen
zusammenbraute. Die von Mund zu Mund weitergegeben wurde und immer wieder
neue Bilder und Wendungen fand.

Eine Legende, ein Mythos, der danach verlangt weitergesponnen zu werden.

Ein Mythos, der sich nicht mit ein paar wenigen Interpretationen zufrieden
geben kann. Hamlet sammelt sich bei Shakespeare als zivilisierter Mythos,
und nach Jahrhunderte langer Verfestigung, Versteinerung durch falsch
verstandene Werktreue und bigotte Exegese, will er wieder auseinander gerissen,
in einzelne Teile zerteilt und durch verschiedene, viele Münder gesprochen werden.

Der Hamlet-Text in 111 Teile zerstückelt.

Jedes dieser Teile soll eine eigene Auslegung erfahren und jedes dieser Teile
entwickelt nochmals unterschiedliche Referenzen. Auf diese Weise entstehen
verschiedene 111 Ebenen.

Die erste Ebene, die Grundebene besteht aus den Szenen des Stückes,
die als Filme realisiert werden.

Jede Szene ist unabhängig von den anderen und in keiner dieser Szenen kommt
ein Schauspieler ein zweites Mal vor. Sie sollen in möglichst unterschiedlichen
Stilen und Genres und von unterschiedlichen Regisseuren gedreht werden.
Es geht um die Vernetzung unterschiedlichster Talente zu einem Thema.
Eine weitere Ebene sind die sogenannten Portraits oder Interviews von Menschen
aus dem Umkreis Hamlets und dessen Geschichte, die einfach behauptet werden.

Das kann der Frauenarzt von Gertrud, der Pförtner des Schlosses, der Vermögensberater
von Claudius oder der Fechtmeister von Hamlet sein. Hier kann man sich hemmungslos durch
die Zeiten bewegen und den Unterschied von gestern und heute getrost vergessen, hier kann
die Geschichte ganz anders und völlig frei gesponnen werden.

Auch hier handelt es sich um 111 Teile.

Es können immer mehr Ebenen hinzukommen.

111 Spiele, Animationen oder 3D Requisiten zum betrachten. All das wird verstrickt
durch 111 Möglichkeiten der Navigation in diesen Inhalten. Die Navigation soll
gewissermaßen selbst zur Geschichte werden und die Neugier der Menschen
und die Lust auf die Geschichte und die Künstler, die sie erzählen anfachen.
Gleichzeitig soll eine Kommunikationsplattform geschaffen werden,
auf der die Freude an dem Stoff weitergetrieben wird.

Institutionen und Privatpersonen sollen auf unterschiedlichste Art und Weise
das Thema diskutieren können.

All diese Ebenen und Teile können dann in einer Internet-Ausstellung,
wie auch in einem medialen Theater, vielfach präsentiert werden.

Es entsteht eine Hamletpyramide, ein Hamletlabyrinth oder ein großes Hamletgrabmal.

Man kann hindurch spazieren und sich darin verlieren. Jede Möglichkeit, ein Ende oder einen
Ausgang aus der Geschichte zu finden, sollte bewusst vermieden werden.

 

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